Die Lage im Einzelhandel Berlins bleibt angespannt. Das Konsumklima hat das Niveau von 2019 noch immer nicht wieder erreicht, viele innenstadtrelevante Branchen kämpfen mit teils dramatischen Umsatzeinbußen. Die kommenden Jahre werden richtungsweisend für unsere Branche.

Berlin muss eine funktionierende Metropole sein: digital, schnell und pragmatisch. Vor allem muss sie eine Stadt mit einem wirtschaftsfreundlichen Mindset sein. Eine Stadt, die versteht, dass es ihr nur dann gut geht, wenn es ihrer Wirtschaft und damit auch ihrem Einzelhandel gut geht.

Bausteine für die Revitalisierung des stationären Handels in Berlin

Ladendiebstahl

Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt

Die Justiz muss Ladendiebstahl und andere Delikte gegen den Handel konsequent und vor allem zügig verfolgen. Verfahren, die sich über Monate ziehen, entfalten keine präventive Wirkung. Unsere Position: Schneller verurteilen statt später härter bestrafen. Eine klare Reaktion des Rechtsstaats stärkt das Vertrauen von Händlerinnen und Händlern ebenso wie das der Kundschaft.

Forderungen:

  • Schnellere Verfahren bei Ladendiebstahl statt vorschneller Einstellung
  • Einrichtung eines Polizeikontingents zur sicherheitsbezogenen Beratung von Gewerbetreibenden
  • Stärkung der Ordnungsämter und der Polizei zur Erhöhung der Sicherheit in Geschäftsstraßen
  • Verpackungssteuer

    Wirkungslose Mehrfachbelastung und Flickenteppich statt Bürokratieabbau

    Während parteiübergreifend Bürokratieabbau versprochen wird, droht mit der Verpackungssteuer eine neue Strafabgabe. Unternehmen sind im Bereich Verpackung bereits umfassend reguliert und mit erheblichen Kosten belastet (Verpackungsgesetz, EU-Verpackungsverordnung PPWR, Einwegkunststofffondsgesetz EWKFondsG). Eine zusätzliche Steuer bedeutet Doppelbelastung, neuen Aufwand für die überlastete Verwaltung und einen kommunalen Flickenteppich. Der ökologische Mehrwert ist nicht belegt (keine Abfallreduktion, Uni Tübingen 2023).

    Forderungen:

  • Keine Einführung einer Verpackungssteuer
  • Keine Mehrfachbelastung für Unternehmen
  • Kein kommunaler Flickenteppich
  • Digitalisierung

    Für Handel und Verwaltung

    Kleine und mittlere Handelsbetriebe brauchen konkrete, niedrigschwellige Begleitung im digitalen Transformationsprozess. Die Einführung von Digital-Lotsen war ein wichtiger Schritt, der nun mit ausreichenden Mitteln verstetigt werden muss. Ebenso entscheidend: Auch die Verwaltung muss digitaler werden. Anträge, Genehmigungen, Nachweise – all das muss digital und zügig möglich sein. Berlin braucht ein verbindliches „Digital First“-Prinzip.

    Forderungen:

  • Ausbau und ausreichende Finanzierung des Digital-Lotsen-Programms
  • Verankerung eines „Digital First“-Grundsatzes für alle Verwaltungsprozesse
  • Verkürzung von Bearbeitungsfristen in der Verwaltung
  • Lebendige Zentren

    Belebung der Zentren – Unkompliziert und gebührenfrei

    Berlin braucht attraktive, lebendige Kieze. Sauberkeit, Stadtbild und Nutzung des öffentlichen Raums leisten einen wichtigen Beitrag. Eine gute Innenstadtpolitik beginnt mit unkomplizierten, wirksamen Instrumenten vor Ort.

    Forderungen:

  • Einrichtung von Kiezbudgets für schnelle, unbürokratische Maßnahmen wie Sauberkeit oder Kleinstinstandsetzungen
  • Vereinfachung und Entbürokratisierung der Sondernutzung von Flächen vor Geschäften
  • Grundsätzliche Gebührenfreiheit für diese Sondernutzungen – belebte Gehwege sind ein Gewinn für die Stadt
  • Ladenöffnung

    Rechtssicherheit statt Blockade

    Das derzeitige Ladenöffnungsgesetz muss novelliert werden. Wir fordern eine pragmatische Reform, die rechtssichere Sonntagsöffnungen ermöglicht. Perspektivisch fordern wir die unternehmerische Freiheit zur eigenständigen Entscheidung über Öffnungszeiten – der Handel ist Teil der Freizeit- und Erlebnisstadt Berlin.

    Forderungen:

  • Novellierung des Berliner Ladenöffnungsgesetzes zur Sicherstellung rechtssicherer Sonntagsöffnungen im Handel
  • Ausbildung & Fachkräfte

    Bildung stärken, Umlage abschaffen

    Fachkräftesicherung gelingt nur mit gezielter Unterstützung statt zusätzlicher Belastungen. Betriebe leisten bereits heute einen enormen Beitrag zur Zukunftssicherung – sie brauchen politische Rückendeckung.

    Forderungen:

  • Abschaffung der Ausbildungsplatzumlage
  • Grundsätzliches Nein zu weiteren wirtschaftsbelastenden Abgaben
  • Ausbau von Kita-Plätzen mit Randzeiten für Eltern im Schichtdienst des Handels
  • Berücksichtigung von dualen Studiengängen und ähnlichen Konzepten bei der Bewertung von Ausbildungsaktivitäten
  • Resilienz

    Infrastruktur mit dem Handel denken

    Berlin braucht eine belastbare, krisenfeste Infrastruktur. Der stationäre Einzelhandel – insbesondere der Lebensmittelhandel – ist Teil der relevanten Grundversorgung und gewährleistet Dezentralität und Stabilität. Der HBB fordert, bei allen Resilienzstrategien aktiv eingebunden zu werden. Wir wollen mitarbeiten – für ein robustes, widerstandsfähiges Berlin.

    Forderungen:

  • Aufbau eines Resilienzbündnisses
  • Beteiligung des Einzelhandels an Resilienzsstrategien und Notfallplanungen (Fest vereinbarte Schnittstellen zu allen Krisenstäben)
  • Verkehr

    Ganzheitlich und datenbasiert entscheiden

    Mobilität muss allen gerecht werden: Wirtschaftsverkehr, Individualverkehr und ÖPNV. Eingriffe in den Straßenraum dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen in ihrer flächigen Wirkung analysiert werden – mit Beteiligung der Betroffenen vor Ort.

    Forderungen:

  • Verkehrsentscheidungen nur auf Basis digitaler Simulationen („digitaler Zwilling“)
  • Frühzeitige und verbindliche Einbindung des Handels bei verkehrsplanerischen Maßnahmen
  • Vermeidung von Insellösungen – ganzheitliches, quartiersweites Denken bei Umgestaltungen
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